„Ich zahle erst Ihre Rechnung, wenn mir meine Versicherung den Betrag erstattet. Außerdem teilt meine Versicherung mit, Ihr Honorar sei viel zu hoch!“


Liebe Patientinnen, 

liebe Patienten,


seit vielen Jahren sehe ich mich mit derartigen Aussagen konfrontiert, die mich regelmäßig in die nicht ganz angenehme Situation bringen, umfangreiche Erklärungen und Fakten liefern zu müssen. Dieser Beitrag soll nun für Klarheit sorgen. Es ist das Ziel dieses Beitrags, dass Sie mich und meine Vorgehensweise zukünftig besser verstehen.


Schauen Sie: Wenn Sie zu mir in die Praxis kommen und Behandlungen wünschen, dann geschieht das an einem bestimmten Tag. Sie kommen zu mir und wir starten in der Regel mit 10 Terminen. Wenn ich Sie jetzt zweimal pro Woche behandle, dann bedeutet das, dass es nicht selten 5-6 Wochen dauert, bis Ihre Therapie komplett abgeschlossen ist. Behandle ich Sie nur einmal pro Woche, dann dauert es ca. 12 Wochen. Hierbei sind Absagen auf beiden Seiten noch nicht mit eingerechnet, wodurch sich die Therapiezeit noch einmal erheblich verlängern kann. Nach Abschluss der Therapie in ca. 5-10 Wochen, erstelle ich die Rechnung. Da die Therapie zu diesem Zeitpunkt vollständig von mir erbracht wurde, ist es aus meiner Sicht nachvollziehbar, dass dann auch sofort die Zahlung fällig wird. 
Denn: Viele Leistungen und Güter, die Sie in anderen Bereichen des alltäglichen Lebens in Anspruch nehmen und sofort erhalten, müssen auch sofort bezahlt werden, alles andere wäre ein Kredit. 


Als Therapeut bin ich bereits viele Wochen in Vorleistung gegangen und habe Sie zu Ihrer Zufriedenheit behandelt. Stellen Sie sich nun vor, zu dieser eben erwähnten Therapiezeit von 5-10 Wochen kommen noch einmal weitere 4-6 Wochen hinzu, so lange dauert es nämlich in der Regel, bis die private Krankenversicherung nach Einreichung der Rechnung den Betrag erstattet, dann warte ich auf Ihre Überweisung (wenn es schnell geht) 9 Wochen oder (wenn es langsam geht) 11 Wochen. Das sind also im besten Falle mehr als 2 Monate und im schlimmsten Falle fast 3 Monate. 

Hinzukommt, dass viele Patienten nicht einmal sofort nach Erstattung der Rechnung durch ihre private Krankenversicherung meine Rechnung begleichen. Ich muss sehr häufig an die Rechnung erinnern und nicht selten sind sie zu diesem Zeitpunkt aus irgendeinem Grund gerade verhindert, im Urlaub oder auf einer Reha oder haben keinen Zugriff auf Ihr Bankkonto. Die Bandbreite an sicherlich plausiblen Erklärungen ist hier umfangreich. Das bedeutet in jedem Fall, dass ich nach Abschluss meiner Leistung häufig mehrere Wochen und gar Monate auf die Bezahlung dieser Therapie warten würde, wenn ich hier keine einheitliche und verbindliche Regelung hätte. Als selbstständiger Gesundheitsdienstleister bin ich darauf angewiesen, dass ich nach Abschluss der Therapie und Übermittlung meiner Rechnung, zeitnah meine Vergütung erhalte. Ich kann (hier bitte ich um Ihr freundliches Verständnis) nicht darauf Rücksicht nehmen, dass sich nahezu alle privaten Krankenversicherungen häufig sehr lange Zeit mit der Erstattung lassen. Als Therapeut besteht meinerseits keinerlei Verpflichtung, so lange auf mein Honorar zu warten, da ja Sie mein Vertragspartner sind. Ich müsste sonst die Zahlungseingänge der Krankenversicherungen überwachen und ggf. die lange Bearbeitungszeit anmahnen, wozu ich natürlich keine Berechtigung hätte. Sie werden mir hier sicherlich zustimmen. 


Nun gibt es also einerseits den Fall, dass ich häufig lange auf mein Honorar warten muss, andererseits aber auch die vielen unangenehmen Diskussionen, die ich führen muss, wenn die privaten Versicherungen meine Rechnung mit teilweise fadenscheinigen und unrechtmäßigen Begründungen auch noch kürzen. Also kommt zu den o.g. Wartezeiten auch noch die Diskussion über die Höhe meines Honorars hinzu und schnell dauert es noch länger, bis ich meine Vergütung erhalte.

Aus diesem Grund schließe ich mit jedem Patienten vorsorglich eine Honorarvereinbarung ab. In dieser steht nicht nur die Höhe meiner Vergütung, sondern auch, dass dieses Honorar immer unabhängig von einer Erstattung privater und gesetzlicher Krankenkassen ist. Das bedeutet, mein Honorar ist immer und für alle gleich, unabhängig davon, was Ihnen Ihre Versicherung letztlich erstattet. Das hängt damit zusammen, dass es in der Versicherungswirtschaft üblich ist, höchst unterschiedliche Verträge mit den Versicherten abzuschließen. Manche Patienten bekommen nur den Beihilfesatz erstattet oder nur 70-80 %, manche sogar nur 50%. Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Als Leistungserbringer kann ich meine Preise diesen Individualverträgen nicht anpassen, denn das würde bedeuten, dass meine Leistung von Patient zu Patient unterschiedlich kostet. Richtig ist, dass viele Praxen eine andere Vorgehensweise wählen. Oft heißt es: „Überweisen Sie mir einfach das, was Sie bekommen.“ Diese Vorgehensweise ist in meinen Augen nicht kollegial und im Sinne der Allgemeinheit ungerecht, sie führt zu viel mehr Aufwand und immer neuen (teilweise endlosen) Diskussionen über die Höhe eines gerechtfertigten Honorars, bei der leider sehr schnell vergessen wird, dass man mit dem Therapeuten zufrieden war und diese Leistung und die Qualität der Behandlung, auch etwas kostet. 
Denn: Auch ich habe sehr viel in mich, damit ich Sie gut behandeln kann. Was viele Patienten nicht wissen: Mit der Ausbildung und den vielen Fortbildungen gibt ein Therapeut im Laufe seines Berufslebens leicht bis zu 100.000 Euro aus. Qualität kostet Geld, das ist in anderen Bereichen auch so und wenn Sie ggf. wegen ein paar Euro mit dem Therapeuten streiten, fragen Sie sich doch bitte, was Ihnen eine gute Therapie wert ist und ob diese Diskussion wirklich angemessen ist.


Konkret heißt das, mein Honorar ist für alle gleich, unabhängig davon, was die Versicherungen mit welchen Begründungen hinterher ablehnen oder nicht erstatten. Ich bin als Physiotherapeut und Heilpraktiker gesetzlich an keine Gebührenordnung gebunden (auch wenn Ihnen das Ihre private Krankenversicherung nicht selten vermitteln möchte), es zählt allein die Honorarvereinbarung, die ich vor einer Therapie mit Ihnen abgeschlossen habe. 


Dadurch ergibt sich für Sie die Konsequenz, dass mein Honorar nach Abschluss der Therapie in voller Höhe grundsätzlich sofort fällig ist. Das heißt aber nicht, dass ich für viele Situationen und Umstände kein Verständnis für Sie habe, wenn es Ihnen aufgrund fehlender Rücklagen nicht möglich ist, meine Rechnung zu zahlen. 


In der Regel darf ich zudem davon ausgehen, dass Ihnen Ihre Krankenversicherung bei Abschluss des Versicherungsvertrages mitteilte, dass Sie bei allen Rechnungen, die Sie einreichen, zunächst verpflichtet sind, in Vorleistung zu gehen. Der Therapeut ist demnach nicht verpflichtet, zu warten, bis die Versicherung die eingereichte Rechnung erstattet. Er tut es aber gerne, wenn Sie nicht zahlen können. Dazu kann dann gerne das Gespräch mit mir gesucht werden. Wenn Sie einmal nicht in der Lage sind, zu zahlen, dann teilen Sie mir dies bitte so schnell wie möglich mit, damit wir eine gemeinsame Lösung finden. In allen anderen Fällen muss und darf ich davon ausgehen, dass es Ihnen finanziell möglich ist, meinen Rechnungsbetrag nach Abschluss der therapeutischen Leistung und Übermittlung der Rechnung zu zahlen. Ich werbe hier ausdrücklich um Ihr Verständnis, dass ich im Sinne der Gleichberechtigung aller Patienten und auch im Sinne meiner eigenen wirtschaftlichen Planung, diese klare Linie strikt verfolgen muss, sonst mache ich für jeden einzelnen Patienten und Kunden gesonderte Vereinbarungen - hinsichtlich Zahlungsfristen und der Höhe des Honorars. Nicht zuletzt bedeutet das für mich auch einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand. Die Zeit, die ich mir für derartige Problem- und Fragestellungen immer wieder nehmen muss, möchte ich lieber in Ihre Behandlung investieren, um eine gleichbleibende Qualität garantieren zu können.

Ich bedanke mich herzlich für Ihr Verständnis!


Beste Grüße 

Michael Zwing